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Zusammenfassung

Regelwerke sind flexible Bausteine mit einem spezifischen fachlichen Ziel. Da diese Regelwerke zur fachlichen Steuerung genutzt werden sollen, muss der Inhalt so flexibel wie möglich adaptiert werden können. In der technischen Repräsentation unterscheiden sich Regelwerke oder Rule Engines in ihren Eigenschaften nur wenig von echten Softwaremodulen. Trotzdem kommt diesen Bausteinen eine besondere Bedeutung bei der Integration zu. Der Inhalt – das Regelwerk selbst – muss möglichst direkt von einer Fachseite erstellt und verantwortet werden. Damit verändern sich einige wesentliche Paradigmen im fachlichen und technischen Betrieb. Die Anzahl, die Integrationstiefe und die auf konzeptioneller Basis erstellten Inhalte der Regelwerksbausteine entscheiden maßgeblich über die Mächtigkeit der Steuerung und über die Geschwindigkeit bei der Umsetzung von Änderungen. Fachliche und technische Qualitätssicherung spielt dabei eine neue, besondere Rolle. Alle Akteure sollten deswegen eine neue Art der Zusammenarbeit finden.

Leseprobe

…Prüfen Sie einmal nach, wie viele es von diesen Komponenten oder Funktionen gibt. Eine Weile kann man sich mit derartigen einfachen technischen Umsetzungen über Wasser halten. Wie an anderer Stelle bereits angemerkt, wird es schnell komplizierter. Bei unserem Beispiel stoßen Sie beispielsweise an Grenzen, wenn Sie alle Produktelemente neben dem Tarif (Optionen, Auswahlkomponenten und Spezialausprägungen) mitberücksichtigen. In der Praxis übersteigt das schnell den Zustand der Handhabbarkeit. Man hat bereits Wechselmatrizen gesehen, die kaum in ein Excel-Sheet gepasst haben, wo es noch die Begrenzung von 65.536 Zeilen gab. Zum Glück können neuere Versionen mehr. Hier sind Fehler natürlich vorprogrammiert. Schnell, konsistent und strukturiert ist das ebenfalls nicht.

Wenn Sie sich in Ihrem Unternehmen einmal umschauen, so werden Sie feststellen, dass es vielleicht schon eine Menge an Regelwerken nach dieser Definition gibt. Normalerweise sind sie verstreut, von unterschiedlicher Komplexität und werden von verschiedensten Personen gepflegt und aktualisiert. Oft entsprechen die Verantwortlichkeiten der Organisationsausprägung. Technisch existieren diese Regelwerke in unterschiedlichen Ausprägungen. Mal in der Software direkt verankert, mal basierend auf Datentabellen oder Entscheidungstabellen, vielleicht als Teil einer Softwaresuite, die bereits eine Rule Engine hat. Darüber hinaus sind komplexere Bausteine oft so sehr technisch geprägt, dass es für einen Vertreter des Fachbereichs ein Buch mit sieben Siegeln ist, die Inhalte zu verstehen. Die allergrößte Kritik aber an einer derartigen Landschaft ist oft die überaus unabgestimmte konzeptionelle Basis aller dieser verstreuten Regeln, die in der Vergangenheit gewachsen sind. Müssen Sie in dieser Landschaft zersplitterter Regel- und Steuerungskomponenten nach den Prinzipien der Wertsteuerung neue Elemente oder Veränderungen umsetzen, so zeigt sich bald, dass es eine Art Puzzle-Challenge ist, alle Änderungen konsistent und mit den gleichen Prinzipien vorzunehmen.

Wenn ein Regelwerk als ein Wertsteuerungsinstrument dienen soll, so werden bestimmte Eigenschaften benötigt, die es Ihnen erlauben, effizient und nach den Prinzipien der Steuerungsinstrumente zu steuern (siehe ▶ Kap. 3)….